Erste Hilfe beim Hund

Vorbeugung

 

Viele Notfälle lassen sich verhindern, indem Sie mögliche Gefahrenquellen ausschließen:

- Hunde im Straßenverkehr grundsätzlich anleinen

- Im Winter Seen mit Eisdecke nicht als Spielplatz benutzen

- Den Hund im Wald am Wildern hindern

- Im Sommer den Hund nicht in parkenden Autos zurücklassen

- An heißen Tagen keine Gewaltmärsche oder Fahrradtouren

- Kein Dünger oder andere gefährliche Substanzen ausbringen (z.B. Schneckenkorn)

- Im oder am Haus gelegenes Gewässer (z.B. Swimmingpool) sichern

 

Notieren Sie sich schon jetzt die Nummer von Ihrem Tierarzt oder der nächsten Tierklinik so, dass Sie die Nummer schnell Griffbereit haben.

 

Physiologische Daten:

 

Atmung (im Liegen beobachten)

Normale Atemfrequenz:                            20 - 60                      Atemzüge/Minute

Erhöhte Atemfrequenz:                            70 - 120                                    ''

Verminderte Atemfrequenz:                     20                              Atemzüge und darunter    

 

Herzschlag (zwischen der 3.&6. Rippe in Höhe des Ellenbogens, Hund liegt auf rechter Seite)

Normalfrequenz:                                       60 - 120                   Schläge pro Minute (gr. Hund)

                                                                 60 - 150                   Schläge pro Minute (kl. Hund)

Erhöhte Frequenz:                                  130 - 160                   Schläge pro Minute

Erniedrige Frequenz:                                50                             Schläge pro Minute u. darunter

                                                                                                   

                                                                                                          

Temperatur (Messung im After mit Digitalen Thermometer ca.2cm einführen)          

Normalbereich:                                          37,5 - 38,5°C

Fieber:                                                       ab 39°C

Untertemperatur:                                      36°C und darunter

 

Kreislauf

Die Farbe der Schleimhäute gibt Auskunft über das Kreislaufbefinden des Hundes. Sie ist an den Bindeschleimhäuten vom Auge durch Herabziehen des Unterliedes oder an der Mundschleimhaut sowie der Zunge zu beurteilen.

Normal:                                                      rosa

Entzündung:                                              hochrot verfärbt

Sauerstoffmangel:                                     bläulich verfärbt

Blutarmut:                                                 blass rosa bis weiß

 

Kapillare Füllungszeit (KFZ) sollte unter 2 sek. liegen, d.h., wenn man an der Lefze die Schleimhaut drückt bis ein weißer Fleck entsteht, sollte dieser nach loslassen innerhalb von 2 sek. wieder die normale rosa Farbe besitzen.

 

Bei allen Veränderungen an den Schleimhäuten sollten Sie bitte unbedingt den Tierarzt aufsuchen.

 

Die Notfallapotheke:

 

Um Ihnen die Sofortmaßnahmen am Tier zu erleichtern hier ein Überblick über die Dinge, die in jeder Hundehausapotheke vorhanden sein sollten:

 

- Wundsalbe (zur Nachbehandlung offener Wunden)

- Thermometer (zur Temperaturmessung)

- Zeckenzange und Pinzette (Zecken- und Fremdkörper Entfernung)

- Verbandschere

- Polster- oder Verbandwatte (zum abpolstern der Pfote)

- Mullbinden (eigenen sich nicht nur für den Wundverband, auch gerollt für Druckverbände)

- Gewebeverstärktes Klebeband (zum äußeren Schutz des Verbandes)

- Jod Lösung (Desinfektion und Blutstillung bei kleineren Verletzungen)

- Selbstklebende Binden (für einen schnellen Verband)

- Sterile Tupfer (auf offene Wunden, da sie nicht fusseln)

- Ringer Lösung (steril, um Wunden zu reinigen oder Fremdkörper aus dem Auge zu spülen)

 

GRUNDLAGEN DER ERSTEN HILFE

 

Die wichtigste Regel lautet: Bewahren Sie Ruhe!!!

 

Beobachten Sie das Tier und versuchen Sie die Situation einzuschätzen. Bitten Sie einen Helfer den Tierarzt anzurufen und die Situation so genau wie möglich zu schildern. Versuchen Sie schnellstmöglich das Tier zu einem Tierarzt zu bringen. (Bitten Sie den Tierarzt nicht zu Ihnen zu kommen, da er die Lebensrettenden Instrumente meist nicht transportieren kann, damit ersparen Sie sich Zeit, die Sie zur Versorgung Ihres Tieres benutzen können).

 

Falls das Tier noch auf Zuruf reagiert, sprechen Sie mit dem Tier und nähern sich ihm vorsichtig und ruhig. Hastige Bewegungen und Schmerzen lassen das Tier in solchen Situationen unvorhergesehene Dinge tun. Seien Sie darauf gefasst, dass auch ein Tier welches Sie gut kennen in diesen Situationen beißen und kratzen kann.

 

Sind keine Atembewegungen mehr zu sehen und wirkt das Tier völlig leblos, ist es möglicherweise durch sofortige Widerbelebungsmaßnahmen noch zu retten. Dazu öffnen Sie das Maul und ziehen Sie die Zunge nach vorne. Vergewissern Sie sich das die Atemwege frei sind, oder entfernen Sie vorhandene Fremdkörper oder Erbrochenes.

 

Beatmung: (das Tier liegt auf der rechten Seite)

 

Wenn Sie sicher sind das die Atemwege frei sind, ziehen Sie dem Tier die Zunge nach vorn, schließen die Schnauze mit der Hund und strecken den Hals. Legen Sie ein Taschentuch über die Nase und beatmen Sie ca. alle 3 Sekunden. Achten Sie dabei bitte auf den Brustkorb ob er sich hebt, aber nicht zu sehr vor hebt.

Setzt sich die Atmung nicht innerhalb von 10 Minuten selbstständig wieder in Gang und ist eine Blaufärbung von Zunge und Zahnfleisch zu sehen, sollten die Maßnahmen beendet werden. Das Tier ist leider verstorben.

 

Herzdruckmassage: (das Tier liegt auf der rechten Seite)

 

Ist der Hund klein oder noch ein Welpe, so wird eine Hand mit dem Daumen an die eine Seite der Brust gelegt und die Finger dann auf die andere Seite und zwar immer im Bereich zwischen der dritten und sechsten Rippe unterhalb des linken Ellenbogen.

Bei großen Hunden wird die gesamte Handfläche benötig.

Die Kraft die erforderlich ist um eine Herzmassage durchzuführen, hängt von der Größe des Hundes ab. Es reicht vom Fingerspitzendruck beim Welpen bis zum Druck der gesamten Handfläche bei einem großen bzw. ausgewachsenen Hund.

Beginnen Sie mit 10 schnellen Druckbewegungen, die bis zum wieder Eintreten von Herzschlag und Puls wiederholt werden sollen.

Ist es nicht möglich, Herz und Pulsschlag zu aktivieren und zeigt der Hund eine blaue Zunge in Verbindung mit einem bläulich verfärbten Zahnfleisch und keinerlei blinzeln bei Berührung der Augen, so ist das Tier verstorben.

 

Sollte bei dem Tier die Atmung und Herzschlag gleichzeitig ausgesetzt haben, so sind zwei Helfer erforderlich, die getrennt von einander die Anwendungen durchführen. Ca. 5-8 Herzmassagen und 2 Beatmungen im Wechsel.

 

Der Transport zum Tierarzt

 

Rufen Sie beim Tierarzt an, bevor Sie sich auf den Weg machen. Sollte die Praxis nicht besetzt sein, verlieren Sie unter Umständen wertvolle Minuten. Tierärztliche Kliniken sind 24h zu erreichen. Wenn bekannt ist, dass Sie kommen, kann in der Praxis für die Notfallversorgung alles Vorbereitet werden.

Fahren Sie bitte nicht allein, es sei denn das Tier ist in einem sicheren Transportbehälter untergebracht.

Bei sehr unruhigen und ängstlichen Tieren legen Sie bitte zu Ihrer Sicherheit ein Schnauzenband an. (bitte nicht bei Hitzschlag, Bewusstlosigkeit, Atembeschwerden, Nasenbluten, Verletzungen im Fangbereich, Herz-Kreislaufbeschwerden, Erbrechen).

Legen Sie große Hunde auf eine Decke. Sie lassen sich einfacher tragen und Sie sind vor Abwehrbewegungen geschützt.

Gelähmte Tiere sollten auf einem Brett getragen werden um weitere Schäden zu vermeiden.

Eine Vertraute Person sollte sich zu dem Tier begeben und bei der Fahrt in seiner Nähe bleiben.

 

Wie stoppe ich Blutungen??

 

Hat Ihr Tier eine so stark blutende Wunde, welche nicht selbstständig aufhört, so müssen Sie versuchen diese zu stoppen, da sonst der Blutverlust des Tieres zu groß wird.

Pressen Sie mit Hilfe von Mull, Zellstoff oder einem Tuch die Wunde fest zusammen.

Reiben oder tupfen Sie nicht an der verletzten Stelle, denn so wird die Blutung nur weiter angeregt.

Bewahren Sie vor allen Dingen Ruhe. Haben Sie die oben genannten Hilfsmittel nicht, so versuchen Sie mit Ihren Finger zu pressen. Wichtig ist, dass die Blutung zum Stillstand kommt. Sie können auch Ihre flache Hand benutzen, wenn es eine stark blutende großflächige Wunde ist.

Bei pulsierenden hellroten Blutungen deutet alles auf eine arterielle Blutung hin. In diesem Fall sollte direkt oberhalb der Wunde abgebunden werden oder mit einem Stapel sauberer Taschentücher oder sterilen Tupfern abgedrückt werden. (abbinden mit Mullbinde, Nylonstrumpf, Krawatte, Gürtel)

Suchen Sie schnellstmöglich den Tierarzt auf!!

 

Ersticken - Atemnot:

 

Die Anzeichen sind, dass Ihr Hund versucht, die Nahrung auszuwürgen, oder im Allgemeinen einen Würgezustand bekommt. Der Fang steht offen, und Ihr Hund scheint unfähig zu sein, ihn zu schließen. Ebenfalls fließt Speichel daraus. Auch das Reiben des Fanges kann ein Anzeichen sein.

Was sollen Sie nun tun?

Kann der Hund noch einigermaßen frei atmen, so bringen Sie ihn sofort zum Tierarzt.

Steht der Hund kurz vor einer Bewusstlosigkeit oder ist die Zunge blau verfärbt, sollten Sie die Sofortmaßnahmen einleiten.

Schieben Sie einen Gegenstand kurz hinter die Reißzähne (Rundholz oder den Griff eines Schraubenziehers).

Untersuchen Sie im Gaumen- und Kehlkopfbereich, ob sich dort Fremdkörper befinden. Ziehen Sie vorsichtig an der Zunge, denn es könnten sich auch Fremdkörper im Bereich der Zungenwurzel befinden. Aber passen Sie auf, dass Sie dabei nicht gebissen werden. Können Sie den Fremdkörper sehen, versuchen Sie ihn mit Hilfe einer Pinzette oder den Fingern vorsichtig herauszuziehen. Schaffen Sie es nicht, sind aber in der Lage den Hund zu tragen, so heben Sie die Hinterläufe an, dass der Hund kopfüber hängt und schütteln Sie ihn solange, bis der Fremdkörper herausgeschleudert wird.

Sollte Ihr Tier nicht mehr atmen, beginnen Sie mit der Beatmung.

 

Epileptischer Anfall:

 

Sollte Ihr Hund einen Anfall haben, werden Sie folgende Anzeichen beobachten:

Ihr Hund liegt auf der Seite und schlägt mit den Läufen in Verbindung mit einer Bewusstlosigkeit.

Die Schaumbildung vor bzw. aus dem Fang hängt mit der krampfartigen Bewegung der Kiefer zusammen. Ebenfalls zuckt der Hund am ganzen Körper. In der Regel sollte ein Krampf höchstens eins bis zwei Minuten dauern.

Versuchen Sie nie den Hund festzuhalten oder gar die Zunge nach vorne zu ziehen, denn Sie können dabei gebissen werden. Bei Atmnot jedoch müssen Sie handeln, legen Sie dazu dem Hund wieder ein Rundholz in den Fang, und versuchen Sie die Zunge mit einem Lappen vorsichtig nach vorne zu ziehen. Aber nur so weit das der Hund atmen kann. Zu einem Urinieren kann es in einigen Fällen auch kommen.

Bei einem Tier ist es so ähnlich wie bei einem Menschen, der an Anfällen leidet. Deshalb beobachten Sie den Hund gut, besonders die Länge der Anfälle. Schauen Sie dabei auf eine Uhr. Erlangt der Hund zwischen mehreren Anfällen das Bewusstsein, so spricht man von einer Anfallsserie. Gerät der Hund von einem Anfall in den anderen ohne sein Bewusstsein zu erlangen, so spricht man von einem Status Epileptikus.

Auf jeden Fall sollten Sie nach Möglichkeit sofort einen Tierarzt aufsuchen, da es zu lebensbedrohlichen Situationen kommen kann.

 

Knochenbrüche:

 

Brüche sind nicht immer als solche erkennbar. Besonders geschlossene Brüche, bei denen die Haut unverletzt bleibt, können unbemerkt bleiben oder wie eine Verrenkung oder Bänderverletzung aussehen. Erst durch eine Untersuchung und Röntgenaufnahme lässt sich das Ausmaß des Schadens beurteilen. Offene Brüche, bei denen die Haut verletzt ist oder gar ein Stück des Knochen vorsteht, müssen dringend tierärztlich versorgt werden.

Sollten Sie nicht sicher sein, wie sich Ihr Hund bei der Ersten- Hilfe Maßnahme verhält, legen Sie ihm zu Ihrer Sicherheit einen Maulkorb an, da Knochenbrüche sehr schmerzhaft sind.

Bringen Sie Ihren Hund zur Behandlung zuerst in einen sicheren Bereich, wenn er sich in einer Gefahrenzone befindet. Zum Transport des Hundes sollten Sie die Bruchstelle mit einem untergelegten, zusammengefalteten Handtuch stützen. Bei offenen Brüchen decken Sie bitte die offene Wunde und den Knochen mit einem sterilen Verbandsmaterial oder einem frischen Handtuch ab.

 

Welches sind nun die Anzeichen eines Bruches?

 

Das gebrochene Glied schwillt an und der Hund hat Schmerzen.

Es ist nicht mehr in seiner Form (Deformation) oder es hängt herunter.

Ebenfalls kann der Hund unfähig sein, die Hinterläufe oder alle vier Glieder zu bewegen.

Bei Beckenbrüche kann es sein, dass sich der Hund trotzdem noch bewegen kann, deshalb sollten Sie mit dem Tier nach einem Unfall auf jeden Fall den Tierarzt konsultieren.

 

Innere Verletzungen:

 

Innere Verletzungen entstehen vor allem bei Autounfällen oder bei hohen Stürzen. Meist sind diese Verletzungen nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Auch wenn ein Unfall scheinbar glimpflich abgegangen ist, sollten Sie das Tier auf jeden Fall aufmerksam beobachten und einen Tierarzt aufsuchen. Achten Sie auf Schocksymptome!

 

Vergiftungen:

 

Viele Hunde nehmen in ihrer Gier giftige Substanzen auf. Haben Sie die Aufnahme des Giftes beobachtet, sollten Sie das Tier und möglichst eine Giftprobe sofort zum Tierarzt bringen. Dieser kann dann Erbrechen auslösen und nach Rücksprache mit der Giftzentrale geeignete Gegenmaßnahmen einleiten. Denken Sie daran, dass Tabak, Verhütungsmittel, menschliche Arzneimittel aber auch einige Süßigkeiten wie z.B. Zartbitterschokolade oder auch Gemüse wie z.B. rohe Zwiebeln für Tiere giftig sein können.

Anzeichen einer Vergiftung können je nach Substanz sein: Erbrechen, Speicheln, Rötungen der Maulschleimhaut, Blässe der Schleimhäute, Durchfall, Zittern, Bewegungsstörungen, Atemnot, Husten, Teilnahmslosigkeit und Schmerzen, meist mit der Tendenz zur Verschlechterung. Achten Sie auf Schocksymptome!

 

Schock:

 

Schnelle Atmung, rasender Puls (im Innenschenkel), blasse Schleimhäute mit verzögerter Füllungszeit, niedrige Körpertemperatur (<37°C) und kalte Gliedmaßen sind Hinweise auf einen Schock. Im späteren Stadium kommt es zu flacher, langsamer Atmung, unregelmäßigem Herzschlag und Reaktionslosigkeit.

 

Die Bekämpfung des Schocks hat Vorrang vor allen anderen Notfallmaßnahmen.

 

Legen Sie das Tier auf die Seite und strecken Sie seinen Kopf. Heben Sie  Becken und Hinterläufe an und legen Sie ein Kissen o. ä. darunter. Stillen Sie starke Blutungen durch einen Druckverband.

Falls nötig führen Sie Wiederbelebungsmaßnahmen durch. Schützen Sie das Tier durch eine Decke vor weiterem Auskühlen und bringen Sie es sofort zum Tierarzt.

Denken Sie daran, dass auch starke allergische Reaktionen auf Insektenstiche oder Medikamente, zum Schock führen können.

 

Dieser Leitfaden soll nur Unterstützend wirken, bitte unternehmen Sie keine Selbsttherapie!

Setzen Sie sich bitte immer mit Ihrem Tierarzt in Verbindung!

 

 

 

     

Quelle: >> Kleintierpraxis A. Urlaub 41466 Neuss

 

 

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